June 16th, 20223 Min. Lesezeit

Achtsame Kommunikation


Wir sind soziale Wesen und unser gesamtes Leben ist in den verschiedensten Bereichen in ein Netz von zwischenmenschlichen Beziehungen eingebunden. Sei es auf der Arbeit, in der Familie, im Chor oder im Sportverein. Diese Beziehungen spielen eine entscheidende Rolle für unser psychisches Wohlbefinden. Die Psychologen Ed Diener und Martin Seligman fanden in einer Studie heraus, dass sehr glückliche Personen gute Beziehungen zu Familienmitgliedern, Freunden, und Arbeitskollegen pflegen, zum Beispiel verbringen sie im Schnitt mehr Zeit mit Freunden und Familienangehörigen als weniger glückliche Personen. Doch Personen, die gute Beziehungen zu ihren Mitmenschen pflegen sind nicht nur glücklicher, sondern leben auch länger. Aber wie kann ich gute Beziehungen pflegen?

Durch unsere Kommunikation mit unseren Mitmenschen haben wir einen Einfluss darauf, wie gut und erfüllend soziale Beziehungen sind - Kommunikation ist das Bindeglied für Beziehungen. Durch gute bzw. schlechte Kommunikation kann eine konstruktive bzw. destruktive zwischenmenschliche Bindung entstehen. Im Arbeitskontext sind konstruktive Beziehungen eine Grundvoraussetzung für eine offene und lösungsorientierte Zusammenarbeit.

Dennoch fällt uns das Kommunizieren oft schwer. Wir reden gedankenlos, beachten Signale unserer Mitmenschen nicht oder sind so sehr von unseren eigenen Problemen eingenommen, dass wir unserem Gesprächspartner gar nicht richtig zuhören. Bei der achtsamen Kommunikation geht es darum, sich von diesem Autopiloten-Modus zu lösen. Achtsame Kommunikation besteht dabei aus den folgenden drei Komponenten:

  1. Achtsames Zuhören: Schenke deinem Gegenüber deine volle Aufmerksamkeit und lass ihn aussprechen, ohne ihn zu unterbrechen. Solltest du mit deinen Gedanken abschweifen, leite deine Aufmerksamkeit behutsam wieder auf dein Gegenüber.
  2. Zusammenfassen: Gib deinem Gesprächspartner die Möglichkeit, Missverständnisse klarzustellen, indem du das Gesagte so wiederholst, wie du es verstanden hast. Gemeinsam findet ihr dann eine Zusammenfassung, durch die sichergestellt wird, dass Zuhörer und Sprecher sich auch wirklich verstanden haben.
  3. In sich Hineinspüren: Höre in dich hinein, um zu sehen, welche Gefühle und Gedanken dir grade durch den Kopf gehen. Denn oftmals hören wir unserem Gegenüber so schlecht zu, weil wir so sehr von unseren Gedanken und Gefühlen, häufig auch ausgelöst von den Worten der anderen Person, abgelenkt sind. Beurteile deine Gedanken und Gefühle nicht und lasse sie, wenn möglich, ziehen. Wenn das nicht klappt, akzeptiere sie und mache dir bewusst, dass sie einen Einfluss auf dich haben. Dies ist nicht nur als Zuhörer, sondern auch als Sprecher wichtig. Welche Gefühle kommen auf, wenn du über ein bestimmtes Thema sprichst?

Kommunikation ist mehr als die Übermittlung von Informationen durch Worte. Erinnere dich an dein letztes Gespräch. Wir schauen unseren Gesprächspartner an: Wir erkennen z. B. an seinem Lächeln, dass er positiv gestimmt ist oder erkennen an seiner Tonlage, dass seine Worte sarkastisch gemeint sind. Gestik, Mimik, Gesichtsausdruck und Tonfall sind also wichtige Informationen, die wir benötigen, um die Situation und Absicht unseres Gegenübers richtig zu interpretieren.

Im beruflichen Alltag nutzen wir jedoch immer häufiger digitale Kommunikationsformen, wie die E-Mail, bei denen genau diese Art nonverbaler Information zur Einschätzung des Gefühlszustandes unseres Gegenübers wegfallen.

Bei fehlenden Informationen neigt unser Gehirn dazu, Annahmen über die Intentionen des Senders zu treffen und diese für wahr zu halten. Wenn zum Beispiel ein Kollege fragt, ob du eine bestimmte Aufgabe bereits erledigt hast, könntest du diese Frage als Unterstellung von Faulheit verstehen, auch wenn der Sender Interesse zeigen und sich über den aktuellen Stand informieren wollte, um dir ggf. Hilfe anzubieten.

Solche Fehlinterpretationen und Probleme können durch Achtsamkeit vermieden werden. Hierbei ist es wichtig, emotionale Zusammenhänge deutlich zu machen. Wenn du das nächste Mal eine E-Mail verfasst, kannst du ausprobieren, die folgenden 5 Schritte anzuwenden:

  1. Atme zunächst ein und aus und komme zur Ruhe, indem du eine kurze Übung über die Mindance App durchführst. Wir empfehlen dir die Übung „Verlängertes Ausatmen“ im Bereich „Stress reduzieren“ mit einer Dauer von 5 Minuten.
  2. Mach dir bewusst, dass der Empfänger der E-Mail auch ein Mensch ist wie du, der vielleicht grade gestresst ist. In der Mindance App findest du einige Übungen, die dir helfen können dein Einfühlungsvermögen langfristig zu fördern, zum Beispiel die „Liebende Güte Meditation.“
  3. Verfass die E-Mail.
  4. Nimm einmal die Perspektive des Empfängers ein: Stell dir vor, dass du diese E-Mail erhältst. Denk darüber nach, ob deine Absicht deutlich wird oder der Empfänger deine Nachricht völlig falsch verstehen könnte. Überarbeite deine E-Mail, entsprechend, indem du deine emotionalen Motive deutlich machst.
  5. Bevor du die E-Mail versendest, atme nochmals durch.

Wenn du willst, probiere unsere Tipps aus. Wir wünschen dir viel Spaß und interessante Gespräche.

Foto: Dylan Gillis auf Unsplash

Lukas Stenzel

Co-Founder & CSO

Lukas hat einen Master of Science in Psychologie, ist zertifizierter Sportpsychologe und absolvierte das HR Trainee Programm bei Bosch. Mit seinem psychologischen Fachwissen, seiner HR Erfahrung und Leidenschaft für Mentaltraining ist er verantwortlich für die Inhalte von Mindance und die wissenschaftliche Evaluierung.

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Die Mindance App ist kostenlos erhältlich und ermöglicht dir, deinen individuellen Trainingsplan zu erstellen um dein Wohlbefinden zu steigern. Außerdem stehen dir kurze Übungen zur Verfügung, die dich an stressigen Tagen unterstützen, dir beim Abschalten helfen oder einfach nur zum entspannen.

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